Patricia Kienle (Schriftführerin) im Gespräch mit Rainer Bauer.
Fünf kontinuierliche Jahre lang hieß der Dirigent des Musikverein
Grafenau Traugott Kienle. Mit ihm reiste die Kapelle nach Ungarn, Österreich
und England. Seit dem Frühjahrskonzert 2000 haben die Musiker einen
neuen Chef:
Rainer Bauer (36) hat die Herausforderung angenommen, die Kapelle zu
neuen Zielen zu führen.
Patricia Kienle:
Rainer, du kommst als Musiker und Dirigent selbst aus den Reihen des
Musikverein Grafenau. Da ist es nicht immer leicht, die Respektsperson
vor dem Pult zu sein. Gab es für dich ein Erlebnis oder Zeitpunkt,
wo du zu dir selbst gesagt hast: "Ja, ich traaue es mir zu, diesen 'Haufen'
zu dirigieren?"
Rainer Bauer:
Dazu gehört sicherlich mehr als ein Ereignis. Erstens hatte ich
durch mein Dirigat beim Musikiverein Unterjettingen Gelegenheit,
viele Erfahrungen zu sammeln, und parallel habe ich ja immer die Grafenauer
Jugend dirigiert. Die musikalische Weiterentwicklung geht dabei ständig
voran. Dann gab es ein paar schöne Erfolge, wie z.B. unser grandioses
Abschneiden beim Jugendkritikspiel. Und irgendwann hatte ich das
Gefühl, daß die Musiker hinter mir stehen und bereit sind, mit
mir zu arbeiten.
Patricia Kienle:
Was sind deine Ziele, was versuchst du als Erstes umzusetzen?
Rainer Bauer:
Zur Zeit arbeite ich daran, unser Mittelstufen-Niveau zu stabilisieren
und zu verfeinern und eine stetige Repertoire-Erweiterung voranzutreiben.
Ich will die Musiker dazu anhalten, nicht nur Noten zu spielen, sondern
die Musik, die sie machen, wirklich gestalten - durch Gefühl und Dynamik.
Langfristig (d.h. in ca. 4-6 Jahren) möchte ich natürlich in
Richtung Oberstufe marschieren. Dazu gehört aber, daß die Musiker
mitziehen und dies auch selbst wollen, denn da steckt jede Menge Arbeit
und persönlicher Einsatz dahinter.
Patricia Kienle:
Noch ein Wort zum Jugenddirigat: Nach dem diesjährigen Frühjahrskonzert
wurde die Jugendkapelle völlig umgemodelt. Ungefähr 12 Musiker
wechselten in das Aktive Orchester, ca. 15 blutjunge Musiker ohne Orchestererfahrung
stießen aus der reinen Ausbildung zum Jugendorchester hinzu. Wie
geht die Arbeit mit dieser neu geformten Gruppe voran?
Rainer Bauer:
Ja, das war ein starker Einschnitt. Wir müssen ganz von vorne
anfangen. Die jungen Musiker lernen schnell, wir haben da eine gute Truppe
beisammen. Leider fehlt jedoch in der Besetzung der einzelnen Register
das richtige Gleichgewicht. So habe ich beispielsweise 10 Flöten aber
fast keine Trompeten und Flügelhörner in der Probe. Ohne Unterstützung
aus dem Aktiven Orchester kommen wir zur Zeit nicht aus, aber auf "Jugend
musiziert", werden wir den ersten Auftritt neuen Jugendkapelle auf die
Beine stellen. Und langfristig hoffe ich, die Lücken durch Nachwuchs
oder Umsteiger schließen zu können.
Patricia Kienle:
Vielen Dank, Rainer, dafür drücken wir die Daumen!
(PK)